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Leitfaden - MVZ Labor Diagnostik Karlsruhe

34 Einfluss- und Störgrößen Körperliche Aktivität Bei körperlicher Aktivität verändert sich der effektive Filtrationsdruck in den Kapillaren, was mit einer Flüssigkeitsverschiebung aus dem int- ravasalen in den interstitiellen Raum einhergeht. Schweißverluste können zusätzlich zu einer Ver- minderung des Plasmavolumens führen. Zellen und makromolekulare Stoffe, namentlich Protei- ne, können nicht durch die Gefäßwand folgen und erfahren einen Konzentrationsanstieg zwischen 3 und 10 %. Davon sind aber auch (überwiegend) proteingebundene Analyte betroffen, so z. B. Cal- cium und Kupfer. In Folge dieser Flüssigkeitsver- schiebung steigen die Konzentrationen folgender Analyte bei körperlicher Belastung an: • Hämoglobin • Hämatokrit • Erythrozyten • Leukozyten (auch durch Catecholaminaus- schüttung erhöht) • Protein, gesamtes • Immunglobuline • α2-Makroglobulin • Lipoproteine, LDL-Cholesterol, HDL-Cholesterol • Calcium (Albumin) • Magnesium • Eisen (Transferrin) • Kupfer (Coeruloplasmin) Insbesondere bei untrainierten Personen stei- gen die Aktivitäten muskulärer Enzyme. Dieses Phänomen hat jedoch nichts mit der oben be- schriebenen Flüssigkeitsverschiebung zu tun: • Creatinkinase • Aspartat-Aminotransferase (AST) • Lactatdehydrogenase Weitere Analyte, die bei körperlicher Anstren- gung ansteigen: • Alkalische Phosphatase • Creatinin • Harnsäure Unter den Hormonen werden Adrenalin, Norad- renalin und Prolactin vermehrt bei körperlicher Belastung sezerniert, was wiederum Hormonef- fekte (z. B. Leukozytenanstieg) nach sich zieht. Immobilisation über längere Zeiträume induziert eine Flüssigkeitsretention mit Verdünnungsef- fekten, so dass die Konzentrationen von Albu- min und Protein sinken. Proteingebundene Ana- lyte fallen ebenfalls ab, wobei Calcium weniger betroffen ist. Das liegt daran, dass bei strenger Bettruhe die Knochen bei starker Calcium- und Phoshat-Ausscheidung im Urin demineralisiert werden. Körperlage Der Wechsel von einer senkrechten in eine horizontale Körperlage führt zur Verdünnung des Plasmas um etwa 10 %, der umgekehrte Vorgang, also das Aufstehen, zieht eine Konzen- trierung des Plasmas nach sich. Die Erklärung hierzu liefert Abbildung 9. Wie schon angesprochen, werden insbesondere Zellen und hochmolekulare Analyte beim Aufste- hen konzentriert, so dass die dortige Auflistung von Proteinen, Lipoproteinen und Zellen auch an dieser Stelle Gültigkeit besitzt. Bei der Venenpunktion wird in der Regel eine Staubinde angelegt. Hierdurch wird der venöse Abfluss bei erhaltenem arteriellen Zufluss einge- schränkt, wodurch der intrakapilläre hydrosta- tische Druck pPl deutlich steigt und es zu einer stärkeren Filtration gemäß der in Abbildung 9 gezeigten Gleichung kommt. Der Effekt ist der gleiche wie beim Übergang vom Liegen zum Ste- hen: Hochmolekulare Analyte und Zellen können dem abfiltriertem Lösungsmittel nicht folgen und bleiben somit in erhöhter Konzentration im Gefäß zurück. Dieser Effekt kommt kaum zum Tragen, wenn die Stauzeit bei der Blutentnahme weniger als 1 Minute beträgt. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10